Lesung „Wenn einmal die Saat aufgegangen, …“

Fr., 27. Januar 2023 / 19:30Kostenlos
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Heimo Halbrainer und August Schmölzer

Letzte Briefe steirischer Widerstandskämpfer/innen aus Todeszelle und KZ

Zwischen 1938 und 1945 wurden in der Steiermark über 20.000 Menschen aus politischen Gründen von der Gestapo verhaftet. Tausende kamen in Konzentrationslager oder wurden vor ein nationalsozialistisches Gericht gestellt und hingerichtet. Bevor sie hingerichtet wurden, durften sie noch einen letzten Brief schreiben.
So beendete etwa am 6. Dezember 1942 der Graz Architekt Herbert Eichholzer seinen Abschiedsbrief an den ehemaligen Sekretär der Sezession Graz, Gustav Scheiger, mit den Worten: „Wenn einmal die Saat aufgegangen, wenn unser damaliges Wollen sichtbare Früchte tragen wird, wenn das Verständnis für unsere Art auch da bei uns unten einmal anklingt, dann Gustav und Ihr anderen, denkt an Euren Herbert!“ Eichholzers Brief ist einer von über 70 Briefen und Kassibern, in denen die zum Tode verurteilten WiderstandskämpferInnen Abschied von Familie und Freunden nehmen und ihnen nicht selten bis zuletzt Trost zusprechen.

Buchvorstellung und Lesung im Rahmen des Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am Freitag, den 27. Jänner 2023.

Buchpräsentation: Dr. Heimo Halbrainer (Historiker, CLIO Graz)
Lesung: August Schmölzer

Um Anmeldung wird gebeten.
Kartenpreis: Euro 10,00 – der Kartenpreis ist am Tag der Veranstaltung am Empfang zu entrichten.
Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren.

Foto Heimo Halbrainer & August Schmölzer: © Alois Rumpf


Logo CLIO Heimo Halbrainer
Historiker in Graz, Leiter von CLIO und Mitarbeiter am Zentrum für Jüdische Studien der Universität Graz. Forschungsschwerpunkte und Publikationen zur NS-Herrschaft, zum Widerstand, jüdische Regionalgeschichte, sowie dem Umgang mit der NS-Zeit nach 1945 (Erinnerungskultur und Justizgeschichte).

Zuletzt erschienen:
gem. mit Gerald Lamprecht herausgegeben: Jüdischer Gries. Eine Spurensuche (2022); gem. mit Susanne Korbel und Gerald Lamprecht herausgegeben: Der „schwierige“ Umgang mit dem Nationalsozialismus. Die steirischen Universitäten im österreichischen Vergleich (2022); Terror und Erinnerung. NS-Institutionen und Orte des Widerstands im Bezirk Geidorf. Ein Rundgangführer (2021)

August Schmölzer, Schauspieler und Schriftsteller
begann nach einer Lehre als Koch 1979 ein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz; in New York besuchte er Kurse in Rollenstudium am renommierten Herbert Berghoff Studio. Nach seinem Abschluss in Graz 1982 wurde er nach seinem Debüt in Heilbronn an das Theater in der Josefstadt engagiert. Unter Otto Schenk spielte er zahlreiche Hauptrollen. Bei den Salzburger Festspielen war er „der gute Gesell“ neben Helmuth Lohner in Jedermann, Pompeius in Antonius und Cleopatra unter Peter Stein.

Im Jahr 1999 spielte er am Staatstheater Stuttgart den Bärenjosef in Geierwally (Regie: Martin Kušej).

1993 verkörperte August Schmölzer einen Nazi-Beamten in Steven Spielbergs Holocaust-Drama „Schindlers Liste„. Seitdem zählt der österreichische Schauspieler zu den bekanntesten deutschsprachigen Charakterdarstellern und wirkte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit.

2020 bekam August Schmölzer den Titel „Kammerschauspieler“ von Bundespräsident Alexander Van der Bellen überreicht.

Schmölzer ist Initiator und seit 2016 Vorstandsvorsitzender der Stieglerhaus – Gemeinnützige Privatstiftung mit Sitz in Wien.


BRIEFE ALS ZEITHISTORISCHE DOKUMENTE DER NAZI-WIDERSTANDSKÄMPFER IN DER STEIERMARK

Lesung in Volksanwaltschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lesung in Volksanwaltschaft: „Wenn einmal die Saat aufgegangen, …“ so lautet der Titel des Buches von Heimo Halbrainer, aus dem Kammerschauspieler August Schmölzer in sehr berührender Art und Weise ausgewählte Text vorlas.

Volksanwalt Amon in seiner Eröffnungsrede: „Dieser heutige Leseabend mag etwas versteirert anmuten. Ein Steirer als Volksanwalt lädt zu einem Leseabend mit einem steirischen Kammerschauspieler, der aus dem Buch eines steirischen Historikers über steirische Widerstandskämpfer liest. Und das in einem Palais, das nach einem steirischen Adelsgeschlecht benannt ist. So ist dieses Thema allerdings, sind diese Briefe in trauriger Weise, kein regionales Ereignis. Sie stehen vielmehr exemplarisch als traumatisches Symbol, als Ausfluss eines Unrechtsstaates, einer menschenverachtenden, kriegslüsternen Diktatur und einer diesem System dienenden Justiz. Gerade deshalb gibt es viele Gründe, um sich an diesem Ort, also hier in der Volksanwaltschaft, mit diesem Thema auseinander zu setzen. Im Haus der Menschenrechte.“

Vor der Lesung im Festsaal der österreichischen Volksanwaltschaft, stellte der Historiker Heimo Halbrainer als Herausgeber das umfangreiche Werk vor, das neben den Briefen der zum Tode Verurteilten, den Widerstand und die Opposition in der Steiermark 1938-1945 im Überblick beschreibt. In dieser Zeit wurden in der Steiermark über 20.000 Menschen aus politischen Gründen von der Gestapo verhaftet. Tausende kamen in Konzentrationslager oder wurden vor ein nationalsozialistisches Gericht gestellt. Hunderte von ihnen wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Bevor sie hingerichtet wurden, durften sie noch letzte Briefe schreiben.

Historiker Heimo Halbrainer: „Was ich in vielen der Briefe der zum Tode Verurteilten gefunden habe, war deren Gewissheit, angesichts des Todes, dass dieses System, der Nationalsozialismus, untergehen werde und die Gerechtigkeit siegen wird.“

Link zum Artikel:
https://volksanwaltschaft.gv.at/artikel/Briefe-als-zeithistorische-Dokumente-der-Nazi-Widerstandskaempfer-in-der-Steiermark

Details

Datum:
Fr., 27. Januar 2023
Zeit:
19:30
Eintritt:
Kostenlos
Veranstaltungskategorien:
,

Veranstaltungsort

Veranstaltungszentrum Stieglerhaus
St. Stefan ob Stainz 14, 8511 St. Stefan ob Stainz Österreich
Telefon:
+43 3463 81 0 50

Veranstalter

Stieglerhaus – Gem. Privatstiftung
Telefon:
+43 3463 81 0 50
E-Mail:
tickets@stieglerhaus.at

Zusatzinformation

Eintritt:
Euro 10,00